Positives Denken: Wenn das Lächeln zur Flucht vor sich selbst wird
- Patrick Georg

- 19. Juli
- 12 Min. Lesezeit

Auf einen Blick: Was Sie heute mitnehmen können
Positives Denken kann stärken – aber auch vom eigenen Erleben wegführen. Entscheidend ist, ob ein Gedanke mehr Kontakt zu sich selbst schafft oder ob er Angst, Trauer, Wut und Erschöpfung vorschnell überdeckt.
Gefühle verschwinden nicht, nur weil sie positiv umgedeutet werden. Was innerlich keinen Platz bekommt, zeigt sich häufig an anderen Stellen: im Körper, in Reizbarkeit, Schlafproblemen oder innerer Leere.
Ein positiver Satz sollte zum eigenen Empfinden passen. Wenn jemand sich innerlich gerade abgelehnt, wertlos oder erschöpft fühlt, kann ein Satz wie „Ich bin gut, so wie ich bin“ zusätzlichen Druck erzeugen statt entlasten.
Akzeptanz bedeutet nicht, etwas schönzureden oder hinzunehmen. Sie bedeutet, ehrlich wahrzunehmen, was gerade da ist, ohne es sofort erklären, bewerten oder verändern zu müssen.
Zuversicht und Vermeidung können ähnlich klingen. Der Unterschied zeigt sich daran, ob ein Gedanke das Schwierige mit einbezieht – oder ob er möglichst schnell darüber hinweghelfen soll.
Positives Denken gilt heute oft als Zeichen von Stärke, Reife und persönlicher Entwicklung.
Manche Menschen sind sehr geübt darin, sich selbst zu beruhigen, zu motivieren und wieder „auf Kurs“ zu bringen. Nach außen wirkt das vernünftig. Innerlich geht dabei aber manchmal der Kontakt zu dem verloren, was tatsächlich da ist.
Das ist kein Vorwurf. Und es ist alles andere als selten.
Positives Denken kann Kraft geben. Es kann Orientierung schaffen, Mut machen und davor schützen, in jedem schweren Moment nur das Schlimmste zu erwarten. Problematisch wird es dort, wo Positivität nicht mehr begleitet, was da ist, sondern es ersetzen soll.
„So schlimm ist es nicht.“
„Ich sollte das positiver sehen.“
„Ich sollte dankbar sein.“
„Andere schaffen das auch.“
Dann wird aus Zuversicht eine Form von Vermeidung.
Dieser Beitrag ist eine Einladung, genauer hinzuschauen: Wann stärkt positives Denken? Und wann wird das Lächeln zur Flucht vor sich selbst?
„Good Vibes Only“ – wenn positives Denken zur Vermeidung wird
Es gibt Sätze, die einem heute fast überall begegnen: Bleib positiv. Richte den Fokus auf das Gute. Wähle Dankbarkeit. Lass los, was Dich herunterzieht.
Manchmal kann so ein Gedanke tatsächlich kurz entlasten. Er kann daran erinnern, sich nicht vollständig in Angst, Ärger oder Enttäuschung zu verlieren. Gerade in schwierigen Momenten kann ein positiver Gedanke etwas Halt geben.
Aber es gibt eine Grenze.
Wenn ein Mensch Angst spürt und sich sofort mit positiven Sätzen beruhigt, kann das im ersten Moment entlasten. Wenn jemand wütend ist und sich zur Dankbarkeit zwingt, wirkt das vielleicht vernünftig. Wenn Trauer mit „positiven Gedanken“ überdeckt wird, scheint der Alltag leichter zu funktionieren.
Die eigentliche Frage ist jedoch: Was passiert mit dem, was keinen Platz bekommt? Was passiert mit dem, was nicht da sein darf, sondern sofort „transformiert“ werden soll?
Wer sich bei jedem unangenehmen Gefühl sofort sagt „Ich sollte das anders sehen“, vermeidet häufig den Kontakt zu dem, was gerade wirklich da ist. Dann wird positives Denken nicht zur inneren Ressource, sondern zu einem schnellen Ausweichmanöver.
Gerade in Krisen, in Erschöpfung oder in Beziehungskonflikten kann das sehr verführerisch sein. Ein Satz wie „Ich wähle heute Freude“ klingt aktiv und kraftvoll. Wenn darunter aber Überforderung, Angst, Einsamkeit oder Wut liegen, kommt dieser Satz vielleicht zu früh. Er beruhigt dann nicht wirklich. Er legt nur eine freundlichere Schicht über etwas, das innerlich weiterarbeitet.
Der Punkt ist nicht, positive Gedanken schlechtzureden. Es geht um den Moment, in dem sie zu schnell kommen. Zu glatt. Zu weit weg von dem, was gerade wahrnehmbar wäre.
Was passiert, wenn Gefühle keinen Platz haben
Gefühle verschwinden nicht, wenn man sie ignoriert. Nach außen wirken sie vielleicht kontrollierter. Innerlich zeigen sie sich jedoch oft an anderer Stelle: im Körper, in der Stimmung oder in der Reizbarkeit.
Mit der Zeit kann ein Mensch lernen, bestimmte Gefühle nicht mehr wirklich an sich heranzulassen. Angst wird weggedacht. Wut wird in Vernunft übersetzt. Trauer wird mit Beschäftigung überdeckt. Nach außen funktioniert vieles weiter.
Der Körper bleibt jedoch oft näher an dem, was tatsächlich empfunden wird.
Die Schultern ziehen sich hoch. Der Kiefer spannt sich an. Der Schlaf wird flacher. Die Reizbarkeit steigt. Manchmal wird der Atem kürzer, der Brustkorb schwerer oder der Bauch unruhig. Emotionsunterdrückung gilt in der Forschung zur Emotionsregulation nicht als neutrale Kleinigkeit; sie kann mit mehr innerer Anspannung und geringerer Verbundenheit einhergehen.¹
Nicht, weil keine Gefühle mehr da wären. Eher, weil sie über lange Zeit vermieden, kontrolliert oder mit vernünftigen Erklärungen überdeckt wurden. Man ist nicht leer. Der Zugang zum eigenen Empfinden wird schwächer, wenn vieles immer wieder keinen Platz haben darf.
Ich höre oft Aussagen wie: „Ich weiß gar nicht mehr, was ich fühle.“ Oder: „Eigentlich müsste es mir gut gehen, aber in mir kommt nichts richtig an.“
Solche Aussagen entstehen nicht einfach so. Häufig steckt eine lange innere Disziplin dahinter: nicht zu viel fühlen, nicht zu lange bei sich bleiben, nicht zu unbequem werden für andere, nicht zu sehr ins Wanken geraten.
Kurzfristig kann das stabilisieren. Auf Dauer kostet es Verbindung zu sich selbst.
Dazu passt auch der Beitrag Wenn Verstehen nicht reicht: Warum Veränderung auch den Körper braucht, in dem es genauer darum geht, warum der Körper manchmal früher reagiert als der Kopf.
So kann innere Leere entstehen.
Affirmationen: Wenn sie dem eigenen Empfinden widersprechen
„Ich bin stark.“
„Ich bin wertvoll.“
„Ich verdiene das Beste.“
Viele Affirmationen klingen auf dem Papier gut. Vor dem Spiegel, im Kalender, auf einer Karte am Kühlschrank. Sie versprechen, dass eine Aussage irgendwann innerlich ankommt, wenn man sie nur oft genug wiederholt.
Manchmal kann das stärken. Besonders dann, wenn der Satz zu dem passt, was ein Mensch gerade wenigstens ansatzweise von sich selbst glauben kann.
Bei anderen Menschen passiert etwas anderes.
Eine Studie von Wood, Perunovic und Lee zeigte, dass positive Selbstaussagen bei Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl die Stimmung verschlechtern können.² Der Grund liegt nicht darin, dass positive Sprache grundsätzlich falsch wäre. Entscheidend ist die innere Passung: ob die Worte an das anknüpfen können, was ein Mensch gerade von sich selbst empfindet.
Eine Aussage wird nicht dadurch wahr, dass sie oft genug wiederholt wird.
Wenn ein Mensch sich innerlich klein, beschämt oder wertlos fühlt und sich gleichzeitig den Satz „Ich bin wertvoll“ vorsagt, kann eine schmerzhafte Lücke entstehen. Der Satz klingt dann nicht wie Unterstützung, sondern wie ein Beweis dafür, dass etwas nicht stimmt: Ich müsste das glauben können. Ich kann es aber nicht.
Was Sie empfinden, ist kein Fehler, den Sie wegaffirmieren müssen.
So wird aus einer positiven Aussage eine zusätzliche Anforderung. Das bedeutet nicht, dass Worte unwichtig sind. Im Gegenteil. Sprache kann viel bewegen. Aber sie sollte nicht an dem vorbeigehen, was ein Mensch gerade von sich selbst empfindet.
Manchmal ist ein ehrlicher Satz stimmiger als eine besonders positiv gemeinte Aussage.
In einem Moment der Überforderung kann „Ich bin stark“ zu weit weg vom eigenen Empfinden sein. Stimmiger wäre vielleicht: „Ich merke gerade, dass mir das zu viel wird.“
Wenn jemand nicht weiß, wie es weitergeht, kann „Alles wird gut“ eher Druck machen als beruhigen. Ehrlicher wäre vielleicht: „Ich weiß gerade nicht weiter. Und ich bleibe einen Moment hier.“
Auch Dankbarkeit muss nicht erzwungen werden. Wenn jemand sich verletzt, übergangen oder ausgelaugt fühlt, kann „Ich sollte dankbar sein“ zusätzlichen Druck machen. Ehrlicher wäre: „Ich sehe, dass es auch Gutes gibt. Und trotzdem bin ich gerade verletzt.“
Solche Aussagen klingen vielleicht weniger stark. Aber sie passen besser zu dem, was gerade empfunden wird. Genau das kann entlasten: Worte müssen nicht größer sein als das, was ein Mensch gerade von sich selbst glauben kann.

Warum positives Denken so verführerisch sein kann
Man sollte die Frage nicht zu schnell überspringen: Warum ist positives Denken so erfolgreich?
Eine Antwort lautet: Weil es Hoffnung verspricht. Und Hoffnung ist wichtig.
Eine andere Antwort ist unbequemer: Positives Denken kann auch entlasten, weil es den Blick von dem wegführt, was eigentlich angeschaut werden sollte.
Wenn ich „positiv bleibe“, muss ich vielleicht nicht spüren, wie unzufrieden ich wirklich bin. Ich muss nicht wahrnehmen, wie mich meine Beziehung erschöpft oder wie sehr mich mein Beruf seit Jahren überfordert. Und ich muss auch nicht merken, dass ich schon lange über meine Grenzen gehe.
Dieses Muster ähnelt dem, was viele Menschen in Krisen kennen: nach außen weiter funktionieren, während innerlich längst etwas nicht mehr stimmt. Dazu passt auch der Beitrag Psychotherapie Rosenheim: Wenn „Ich schaff das noch" nicht mehr stimmt.
Dann scheint Veränderung zunächst nicht nötig. Es reicht scheinbar, anders zu denken.
Das wirkt wie eine verführerisch niedrige Hürde: kein Konflikt, keine Entscheidung, kein Abschied von alten Mustern. Nur ein neuer Fokus.
Carl Rogers beschrieb mit dem Begriff Inkongruenz die Kluft zwischen dem, was ein Mensch erlebt, und dem Bild, das er von sich selbst aufrechterhält.³ Je größer diese Kluft wird, desto mehr innere Spannung kann entstehen, auch wenn nach außen alles stabil wirkt.
Genau hier kann positives Denken zum Problem werden.
Es kann diese Kluft kurzfristig überdecken. Wenn ein Mensch sich immer wieder einredet, es sei alles gut, obwohl der Körper längst etwas anderes zeigt, wächst der Abstand zum eigenen Empfinden mit der Zeit.
Das muss nicht dramatisch aussehen. Manchmal zeigt es sich ganz gewöhnlich im Alltag in Form von Rückzug, einem ständigen inneren Druck oder dem Gefühl, nicht mehr genau zu wissen, was man eigentlich will.
Vielleicht sagt jemand im Gespräch: „Es ist alles gut.“ Der Brustkorb bleibt trotzdem angespannt, der Schlaf wird unruhiger, und die Gereiztheit nimmt zu. So wird die Kluft zwischen positivem Denken und eigenem Empfinden spürbar.
Akzeptanz: Nicht schöner denken, sondern ehrlicher wahrnehmen
Akzeptanz wird oft missverstanden.
Viele hören darin: Ich muss mich damit abfinden. Ich muss etwas gutheißen. Ich darf nichts verändern.
Gemeint ist etwas anderes.
Akzeptanz beginnt damit, das eigene Erleben für einen Moment nicht sofort zu korrigieren. Nicht schönzureden. Nicht vernünftig zu erklären. Nicht gleich verändern zu wollen. In der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) wird dieser Zusammenhang als Erlebnisvermeidung beschrieben: Der Versuch, unangenehme Gefühle, Gedanken oder Körperempfindungen nicht spüren zu müssen, kann kurzfristig entlasten, langfristig aber Vermeidung verstärken und die psychologische Flexibilität einschränken.⁴
Alltagssprachlich heißt das: Ich muss nicht mögen, was gerade da ist. Aber ich höre für einen Moment auf, so zu tun, als wäre es nicht da.
Abends auf dem Sofa wird aus „Ich bin einfach nur müde“ vielleicht: „Ich bin traurig.“
Im Gespräch kommt automatisch „Alles gut“ – und im selben Moment ist spürbar: Eigentlich stimmt das nicht.
Beim Blick aufs Handy wird klar: Ich warte nicht nur auf eine Nachricht. Ich suche gerade Ablenkung.
Akzeptanz beginnt genau an solchen Stellen. Nicht als große Methode oder als spirituelle Haltung. Sondern als ehrlicher Kontakt mit dem, was gerade tatsächlich wahrnehmbar ist.
Das kann unangenehm sein. Manchmal auch ernüchternd. Aber es ist weniger anstrengend, als dauerhaft gegen das eigene Empfinden zu arbeiten.
Dabei geht es nicht darum, in Gefühlen stecken zu bleiben. Akzeptanz ist kein Stillstand. Sie ist eher der Moment, in dem ein Mensch klarer erkennt, wo er gerade steht. Erst dann lässt sich entscheiden, wohin der nächste Schritt gehen soll.
Wer im Nebel weiterläuft, bewegt sich zwar. Aber nicht unbedingt in eine Richtung, die stimmig ist.
Der Unterschied zwischen Zuversicht und Vermeidung
Zuversicht blendet das Schwierige nicht aus. Sie behauptet nicht, dass alles gut ist. Sie lässt zu, dass etwas belastend ist, und sucht trotzdem nach einem nächsten Schritt.
Vermeidung kann ähnlich klingen, hat aber eine andere Richtung. Sie will das Unangenehme möglichst schnell aus dem Blick bekommen: Denk nicht daran. Fühl das nicht. Beschäftige dich mit etwas Schönem. Sei dankbar. Anderen geht es schlechter. Es wird schon.
Der Unterschied liegt weniger in den Worten als in der Wirkung. Zuversicht nimmt das Schwierige mit. Vermeidung will daran vorbei.
Ein Mensch kann also durchaus positiv denken und gleichzeitig ehrlich bleiben.
Zum Beispiel: „Ich bin gerade traurig, und ich weiß, dass dieser Zustand nicht für immer bleiben muss.“
Oder: „Ich habe Angst vor dem Gespräch. Ich möchte trotzdem versuchen, klar zu bleiben.“
Auch ein Satz wie dieser kann stimmig sein: „Ich bin erschöpft. Genau deshalb nehme ich meine Grenze ernst.“
Solche Aussagen übergehen nicht, was da ist. Sie verbinden Schwierigkeit mit einer möglichen nächsten Handlung. Genau dort beginnt echte Veränderung: nicht beim schöneren Satz, sondern bei Worten, die ehrlicher sind.
Impulse für den Alltag
Wenn positives Denken zur Gewohnheit geworden ist, kommt die innere Beruhigung oft sehr schnell. Ein Gefühl taucht auf – und fast im selben Moment wird erklärt, relativiert oder beschwichtigt.
Die folgenden Impulse können kleine Unterbrechungen sein: Momente, in denen nicht sofort positiv gedacht wird, sondern kurz wahrgenommen werden darf, was eigentlich da ist.
Kurz warten, bevor Sie sich positiv zureden.
Wenn sofort der Gedanke kommt „So schlimm ist es nicht“, halten Sie einen Moment inne. Vielleicht stimmt das. Vielleicht ist es aber auch nur der vertraute Reflex, sich schnell zu beruhigen. Fragen Sie sich: Was wäre da, wenn ich es nicht sofort beruhigen würde?
Das Erleben genauer benennen.
Statt nach der richtigen Haltung zu suchen, kann eine andere Frage weiterführen: Was nehme ich gerade wahr?
Vielleicht ist da Druck im Brustkorb, ein Kloß im Hals, ein flacher Atem, Wut, Traurigkeit oder nur Unruhe. Auch eine unklare Wahrnehmung ist ein Anfang.
Worte wählen, die zum Empfinden passen.
Ein positiver Gedanke muss nicht besonders stark klingen. Manchmal reicht eine ehrliche Formulierung: „Ich merke, dass ich an meine Grenze komme.“ Oder: „Gerade ist es schwer, und ich muss es nicht schöner machen.“
Den Körper mit einbeziehen.
Achten Sie darauf, was Ihr Körper zeigt, bevor der Kopf eine Erklärung findet. Sind die Schultern angespannt? Wird der Atem flacher? Zieht sich der Bauch zusammen? Beißen Sie die Zähne aufeinander? Entsteht der Impuls, schnell etwas zu tun, zu erklären oder abzulenken?
Aus dem Wahrnehmen kein neues Projekt machen.
Wenn das Vermeiden über Jahre eingeübt wurde, kommt der Kontakt zum eigenen Empfinden nicht von heute auf morgen zurück. Oft beginnt Veränderung damit, ein Gefühl nicht sofort zu erklären, zu beruhigen oder wegzuschieben.
Begleitung in Rosenheim
Manche Menschen kommen nicht deshalb an einen Punkt der Erschöpfung, weil sie zu negativ denken. Sondern weil sie zu lange gelernt haben, das Schwierige freundlich zu übergehen.
Nach außen wirkt vieles stabil. Der Alltag funktioniert. Gespräche werden geführt. Aufgaben werden erledigt. Vielleicht gibt es sogar Sätze, die immer wieder beruhigen sollen: „So schlimm ist es nicht.“ „Ich muss nur positiver denken.“ „Andere schaffen das auch.“
Und trotzdem bleibt eine Grundanspannung spürbar. Der Atem wird flacher, die Reizbarkeit nimmt zu, oder es entsteht das Gefühl, nicht mehr richtig bei sich selbst anzukommen.
In der Begleitung geht es nicht darum, Ihnen ein neues Denken vorzuschreiben. Auch nicht darum, positive Gedanken durch negative zu ersetzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, was wirklich da ist: Welche Gefühle werden schnell übergangen? Welche Körperzeichen melden sich, bevor der Kopf eine Erklärung findet? Welche inneren Sätze beruhigen scheinbar, führen aber weg von dem, was eigentlich empfunden wird?
Dabei zeigt sich häufig eine lange eingeübte Fähigkeit zu funktionieren. Dahinter kann ein alter Anspruch liegen, nicht schwierig zu sein. Oder eine Erschöpfung, die lange mit Vernunft, Dankbarkeit oder Durchhalten überdeckt wurde.
Wichtig ist, dass dieser Prozess nicht wieder zu einer Forderung wird. Es geht nicht darum, plötzlich alles fühlen zu müssen. Es geht darum, den Kontakt zum eigenen Erleben in einem Tempo wieder aufzunehmen, das innerlich machbar bleibt.
Einladung zum Erstgespräch
Wenn Sie merken, dass positives Denken für Sie nicht nur stärkend ist, sondern Sie manchmal vom eigenen Erleben wegführt, kann ein erstes Gespräch genau dort ansetzen.
Ich lade Sie zu einem kostenlosen telefonischen Erstgespräch ein – einem ersten, vertraulichen Gespräch, in dem Sie in Ruhe schauen können, ob sich der Kontakt für Sie stimmig anfühlt und ob das, was Sie beschäftigt, hier einen Platz hat. Ohne Verpflichtung, in Ihrem eigenen Tempo.
Für weitere Informationen besuchen Sie auch gerne meine Website unter www.patrickgeorg.de.
Fragen, die mir Klienten zu diesem Thema häufig stellen (FAQ)
Ist positives Denken grundsätzlich schädlich?
Nein. Eine grundsätzlich zuversichtliche Lebenshaltung kann stärkend sein. Problematisch wird positives Denken dort, wo es Gefühle unterdrückt, innere Widersprüche überdeckt oder den Blick auf die eigene Realität verzerrt.
Die entscheidende Frage lautet: Bringt mich dieser Gedanke mehr in Kontakt mit mir? Oder führt er mich von dem weg, was ich eigentlich spüre?
Warum können Affirmationen unangenehm wirken?
Weil ein positiver Satz manchmal nicht zum eigenen Empfinden passt. Wenn ein Mensch sich innerlich wertlos, erschöpft oder beschämt fühlt, kann ein Satz wie „Ich bin stark“ zusätzlichen Druck erzeugen.
Dann entsteht nicht Zuversicht, sondern eine Lücke zwischen der positiven Aussage und dem, was ein Mensch gerade empfindet. Oft sind schlichtere Formulierungen stimmiger: „Ich merke, dass ich gerade erschöpft bin.“ Oder: „Ein Teil von mir glaubt das noch nicht.“
Ich versuche, positiv zu bleiben, weil mein Umfeld das von mir erwartet. Was kann das innerlich auslösen?
Dieser soziale Druck wird häufig unterschätzt. Wenn ein Mensch dauerhaft Gefühle übergeht, um freundlich, dankbar oder unkompliziert zu wirken, kann der Kontakt zur eigenen Wahrnehmung schwächer werden.
Das zeigt sich manchmal als innere Leere, Erschöpfung, Gereiztheit oder als Gefühl, gar nicht mehr genau zu wissen, was man selbst eigentlich möchte. Es lohnt sich, diesen Mechanismus ernst zu nehmen.
Ist Akzeptanz nicht dasselbe wie Aufgeben?
Nein. Akzeptanz bedeutet nicht, etwas gutzuheißen oder dauerhaft hinzunehmen. Sie bedeutet, den Ist-Zustand zunächst klar wahrzunehmen, ohne ihn sofort erklären, bewerten oder verändern zu müssen.
Gerade diese Klarheit kann Veränderung ermöglichen. Wer nicht mehr so viel Kraft darauf verwendet, gegen das eigene Erleben anzukämpfen, bekommt eher wieder Spielraum für den nächsten Schritt.
Kann dieser Ansatz bei Burnout oder Erschöpfung eine Rolle spielen?
Ja, vor allem dort, wo Erschöpfung lange mit positiven Sätzen, Durchhalten oder Schönreden überdeckt wurde. Wer Warnsignale immer wieder positiv wegdenkt, verliert leicht den Kontakt zu eigenen Grenzen.
Das ist keine Garantie auf Besserung und kein Allheilmittel. Aber das ehrliche Wahrnehmen von Grenzen, Körperreaktionen und inneren Sätzen kann ein wichtiger Teil psychotherapeutischer Begleitung sein.
Hinweis: Als Heilpraktiker für Psychotherapie (HeilprG) gebe ich keine Heilversprechen ab. Weder Linderung noch Besserung können garantiert werden. Die Begleitung in meiner Praxis dient der psychologischen Unterstützung und der Aktivierung eigener Ressourcen. Sie ersetzt keine ärztliche oder psychiatrische Behandlung und keine Psychotherapie durch approbierte Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten, kann aber eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle fachliche Einschätzung oder Begleitung.
Quellen & weiterführende Literatur für Interessierte
Gross, J. J., & John, O. P. (2003). Individual differences in two emotion regulation processes: Implications for affect, relationships, and well-being. Journal of Personality and Social Psychology, 85(2), 348–362.
Wood, J. V., Perunovic, W. Q. E., & Lee, J. W. (2009). Positive self-statements: Power for some, peril for others. Psychological Science, 20(7), 860–866.
Rogers, C. R. (1961). On Becoming a Person: A Therapist’s View of Psychotherapy. Houghton Mifflin.
Hayes, S. C., Wilson, K. G., Gifford, E. V., Follette, V. M., & Strosahl, K. (1996). Experiential avoidance and behavioral disorders: A functional dimensional approach to diagnosis and treatment. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(6), 1152–1168.
Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (1999). Acceptance and Commitment Therapy: An Experiential Approach to Behavior Change. Guilford Press.
Hayes, S. C., Luoma, J. B., Bond, F. W., Masuda, A., & Lillis, J. (2006). Acceptance and Commitment Therapy: Model, processes and outcomes. Behaviour Research and Therapy, 44(1), 1–25.
Kabat-Zinn, J. (1994). Wherever You Go, There You Are: Mindfulness Meditation in Everyday Life. Hyperion.
KI-gestützter Content – Mit Herz und Verstand von mir überarbeitet.
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